Optimierung der Patientensicherheit durch wissenschaftliche Weiterbildung für Gesundheitsfachberufe: Entwicklung und Erprobung eines Pilotmoduls an der Hochschule Osnabrück

Im Rahmen des Forschungsverbundprojekts „KeGL – Kompetenzentwicklung von Gesundheitsfachpersonal im Kontext des Lebenslangen Lernens“, welches in der 2. Wettbewerbsrunde der Förderinitiative „Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschulen“ vom BMBF gefördert wird, werden unter der Beteiligung der Hochschulen Ostfalia, Hannover, Jade und Osnabrück sowie der Universität Osnabrück bedarfsgerechte und modularisierte Zertifikatsprogramme zur kompetenzorientierten Weiterbildung von Gesundheitsfachpersonal erforscht, entwickelt, erprobt und evaluiert.
Da die zunehmende Komplexität von Versorgungsprozessen besondere Herausforderungen für die Patientensicherheit birgt, legt die Hochschule Osnabrück ein besonderes Augenmerk auf neue Aufgabenprofile von Gesundheitsfachberufen im Rahmen des Patientensicherheitsmanagements. In einer Bedarfsanalyse wurden diesbezügliche Kompetenzbedarfe identifiziert. Erste Priorität wurde den Kompetenzen Kommunikation und Teamarbeit bzw. der intra-, inter-, transdisziplinären und multi-professionellen Kooperation beigemessen, aus deren Zusammenführung das Pilotmodul „Patientensicherheit: Kooperation und Kommunikation“ entstand.
Ziel des Moduls ist der Auf- und Ausbau von Kompetenzen zur Selbsteinschätzung und zur wissenschaftlich fundierten Reflektion und Optimierung des Versorgungsfeldes in Bezug auf Kooperation und Kommunikation. Zudem werden vorhandene berufliche Kompetenzen sichtbar. Anhand eines selbst gewählten Fallbeispiels lernen die Teilnehmenden Problemfelder im eigenen Versorgungsfeld zu erkennen und Lösungsansätze zu entwickeln. Die enge Verzahnung mit der beruflichen Tätigkeit dient der zeitnahen Optimierung der Patientensicherheit.
Das mit 6 ECTs ausgewiesene Modul wurde im Sommer 2017 mittels einer Kombination aus Präsenz- und Onlinephasen und unterstützt durch eine Blended-Learning-Struktur erfolgreich pilotiert. Die Ergebnisse der Versorgungsfeldanalysen untermauern, dass eine strukturierte Kommunikation die Basis für eine interdisziplinäre oder organisations- bzw. sektorenübergreifende Kooperation der Leistungserbringer im Gesundheitswesen im Sinne von Patientensicherheit bildet und gleichzeitig die Arbeitszufriedenheit der Leistungserbringer erhöht.
Weitere Informationen

Kortekamp S., Gieseking A., Haar M. , Braun von Reinersdorff A., Hochschule Osnabrück

 

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HIOPP-3-iTBX – Change Management*

HIOPP-3-iTBX – Angemessene und sichere Medikation für Heimbewohner/innen mit Hilfe einer interprofessionellen Toolbox (AMTS-Toolbox)

Wie bereits im Titel der Studie definiert, handelt es sich aus Sicht des Change Managements um eine Intervention, die durch die Kooperationsqualität der involvierten Leistungserbringer (Hausärzte, Apotheker und Pflegefachkräfte) auf die Ergebnisqualität des interdisziplinären Prozesses einwirkt. Der Mehrwert für den Heimbewohner ergibt sich in Form von medizinischer Lebensqualität und Patientensicherheit. Eine größere Arbeitszufriedenheit steht im Vordergrund für die Leistungserbringer. Das Alleinstellungsmerkmal einer strukturierten, organisationsübergreifenden Kooperation und Kommunikation können die jeweils beteiligten Organisationen für sich geltend machen.

Die Einführung einer gemeinsamen Visite von Hausarzt, Apotheker und Pflegefachkraft stellt in diesem Zusammenhang eine geplante und zielgerichtete Veränderung dar, die zur langfristigen Erfolgsicherung einer begleitenden Change Management Struktur bedarf. Eine zentrale Rolle spielt die Teambildung!

„Teambildung, die von allen grundsätzlich gefordert wird, benötigt zu Beginn eine klare Akzeptanz: Der jeweils andere besitzt eine Kompetenz und Fähigkeit, die man selbst so nicht vorweisen kann. Die Gesamtleistung wird erst dann objektiv gut, wenn jeder in der Lage ist, seine besonderen Fähigkeiten gleichberechtigt einzubringen.“ [1]

[1] Drauschke, P., Drauschke, S. & Albrecht, M. (Hrsg.). (2016). Changemanagement und Führung im Gesundheitswesen. Führung von Menschen und Management von Prozessen in der Veränderung (Gesundheitswesen in der Praxis). Heidelberg: medhochzwei.

*Kooperationspartner Change Management: Stefanie Kortekamp M.A.

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Patientensicherheitsmanagement

Patientensicherheit als Abwesenheit unerwünschter Ereignisse entsteht nicht von selbst, sondern kann und muss gelernt werden.

Zielstellung

Um die Patientensicherheit  zu erhöhen, stehen Organisationen im Gesundheitswesen zwei Wege zur Verfügung: Sie können die Variabilität von Prozessen und die daraus resultierende Komplexität der Arbeitswelt auf ein Minimum reduzieren, und sie können die Fähigkeit der Mitarbeitenden zur Bewältigung von Komplexität und Unsicherheit stärken.

Das Patientensicherheitsmanagement existiert in Deutschland bislang lediglich als klinisch-medizinische Fachdisziplin, fehlt aber in den Gesundheitsfachberufen fast durchgängig. Ein erfolgreiches Patientensicherheitsmanagement entlang der gesamten Versorgungskette von ambulant bis stationär setzt jedoch trans- bzw. multiprofessionelle Kompetenzen voraus. Ein Beitrag ist die Entwicklung von trans- und multiprofessionellen Kompetenzinhalten im Themenfeld des Patientensicherheitsmanagements in Form konkreter zertifikatsbewehrter Einzelmodule.

Um Gesundheitssyteme sicherer zu machen, müssen die Menschen in Gesundheitsfachberufen lernen, was sie selbst und die Organisationen, in denen sie arbeiten, zu einer sicheren Versorgung beitragen können. Dies wird besonders in der Interaktion mit und zwischen den Teilnehmenden in handlungsorientierten, versorgungsfeldreflektierenden Modulen entwickelt.

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VMVG-Symposium

Verein für Management und Vertragsgestaltung in der Gesundheitswirtschaft e.V. (VWVG)
Symposium 2016: Wege zur besseren Kooperation und Koordination – Die Gesundheitsversorgung in Alten- und Pflegeheimen

Am 7. Juli 2016 findet mit Unterstützung des Vereins für Management und Vertragsgestaltung in der Gesundheitswirtschaft e.V. an der Frankfurt University of Applied Sciences ein wissenschaftliches Symposium zur Gesundheitsversorgung in Alten- und Pflegeheimen statt. Es handelt sich um das 4. Symposium zu Fragen der sektorenübergreifenden Gesundheitsversorgung, das in Zusammenarbeit mit dem Frankfurt Zentrum für Gesundheitswirtschaft und -recht veranstaltet wird. Das Symposium ist Teil der Aktionswochen „Älterwerden in Frankfurt“.

Der starke Ausbau der ambulanten Pflegeangebote und der Wunsch vieler älterer und pflegebedürftiger Mitbürgerinnen und Mitbürger, möglichst lange selbständig und in ihrer gewohnten Umgebung zu leben, haben dazu geführt, dass die stationäre Langzeitpflege immer stärker eine Auffangfunktion übernommen hat.

Mit dem steigenden Eintrittsalter in die Alten- und Pflegeheime steigt die Zahl behandlungsbedürftiger Heimbewohner, die ihre ärztliche Versorgung nicht mehr selbst organisieren und ihre Ärzte nicht mehr selbständig aufsuchen können. Die gesundheitliche Versorgung der Heimbewohner steht daher zunehmend vor neuen Herausforderungen, die durch den Mangel an Pflegefachkräften und das altersbedingte Ausscheiden vieler Hausärzte weiter verschärft wird.

Nur wenn eine enge Zusammenarbeit zwischen Heimleitungen, Pflegekräften, Ärzten, Zahnärzten und Apothekern sichergestellt ist, lässt sich der Anspruch der Heimbewohner auf bedarfsgerechte Einbeziehung in die ambulante medizinische Versorgung verwirklichen.
Der Gesetzgeber hat für die Kooperation und Koordination aller Beteiligten zusätzliche Anforderungen formuliert und Finanzierungs- und Handlungsformen bereitgestellt, die von Leistungserbringern und Krankenkassen in die Praxis umzusetzen sind.

Das 4. Symposium zur sektorenübergreifenden Versorgung im Gesundheitswesen bringt Experten und Praktiker aus Pflege und Gesundheit zusammen, um bestehende Probleme in Hessen bei der medizinischen Versorgung von Heimbewohnern aufzuarbeiten und neue Lösungswege aufzuzeigen.

Vortrag:

Der Medikationsprozess in der stationären Langzeitpflege als organisationsübergreifendes Prozessmanagement

Stefanie Kortekamp

Diskussionsrunde:

Probleme und Lösungen sektoren- und professionsübergreifender Gesundheitsversorgung

Podium: Achim Gondermann, Markus Förner, Dr. Jens Hohmeier

Moderation: Stefanie Kortekamp

 

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APS-Jahrestagung 2016/ Workshop 20

Kompetenzentwicklung von Gesundheitsfachpersonal im Kontext des Lebenslangen Lernens (KeGL): Akademische Weiterbildung für Gesundheitsfachberufe zur Optimierung einer patientenzentrierten Versorgung

Moderation: Stefanie Kortekamp, Hochschule Osnabrück

Rose – das lernende Gesundheitssystem in der Region Osnabrück-Emsland im Rahmen des Gesundheitscampus Osnabrück

N. Egbert / Stefanie Kortekamp, Hochschule Osnabrück

Lehr- und Weiterbildungsempfehlungen in der Pflegeinformatik – Erste Schritte in der Entwicklung eines Zertifikatsstudiums Gesundheits- und Medizininformatik

N. Egbert, Hochschule Osnabrück

Lehr- und Weiterbildungsempfehlungen zur Patientensicherheit – Erste Schritte in der Entwicklung eines multidisziplinären Zertifikatsstudiums Patientensicherheitsmanagement

S. Kortekamp, Hochschule Osnabrück
Download

Zertifikatsintegrierte Würdigung gesamtheitlicher Kompetenzen im Gesundheitsbereich – ein Prototyp

H. Thiele, Hochschule Osnabrück

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APS-Jahrestagung 2016

Das Motto der 11. Jahrestagung am 14. und 15. April 2016 in Berlin lautete:

„Patientensicherheit kann man lernen – Wie kommt das Wissen in die Praxis?“

Wir alle wissen, dass die Patientenversorgung in Gesundheitseinrichtungen neben allen unseren Bemühungen auch viele Risiken beinhaltet. Seit Jahren bemühen sich sehr viele Menschen darum, diese Risiken zu minimieren und dafür geeignete Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. Vornehmlich die Angehörigen der Gesundheitsberufe müssen über profunde Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen, wie eine qualitativ gute und sichere Versorgung gestaltet werden kann. Mit der Tagung in diesem Jahr wollen wir den Impuls für eine konzertierte Aktion geben: Patientensicherheit muss unbedingt in alle Curricula der Berufe des Gesundheitswesens aufgenommen werden. Auf unserer Jahrestagung 2016 wollen wir neben dem Austausch über sinnvolle, praktikable und wirkungsvolle Maßnahmen zur Erhöhung der Patientensicherheit verdeutlichen, wie jeder Einzelne, ganze Teams, aber auch Gesundheitsorganisationen Sicherheit erlernen können.

Dabei wollen wir auch der spannenden Frage nachgehen, wie neue Werte, Haltung und Einstellung gelernt werden können. Der Begriff vom „lebenslangen Lernen“ ist insbesondere in unserem Metier von großer Bedeutung: mit steter Wissbegierde und der Bereitschaft, von anderen zu lernen, entwickeln wir das Gesundheitswesen weiter.

Die Hochschule Osnabrück war im Rahmen mehrere Forschungsprojekte mit dem Workshop W 20 vertreten:

Kompetenzentwicklung von Gesundheitsfachpersonal im Kontext des Lebenslangen Lernens (KeGL): Akademische Weiterbildung für Gesundheitsfachberufe zur Optimierung einer patientenzentrierten Versorgung

Zur Seite der 11. APS Jahrestagung 2016

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Dreiländer-Tagung „Health Universities“ an der ZHAW in Winterthur

Teilnahme an der Dreiländer- Tagung, Deutschland- Österreich- Schweiz

vom 10.-11.09. 2015 in Winterthur in der Schweiz.

Neben der Erarbeitung des Winterthurer Manifests als das Grundlagenpapier der Dreiländer-Tagung „Health Universities“ wurden verschiedene Themen in  zahlreichen Kurzvorträgen und Diskussionen erörtert.

Die Dreiländer- Tagung hatte das Ziel mit dem Winterthurer Manifest eine Antwort auf den sich verändernden Versorgungsbedarf und die Herausforderungen an die Gesundheitsberufe, die daraus resultieren zu geben.
Um die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern, wollen Hochschulen im Gesundheitsbereich Lehr- und Lernarrangements schaffen, welche die Kooperationskompetenzen verbessern und die Absolvierenden dazu befähigen, über die Grenzen von Disziplinen, Berufen, Institutionen und Sektoren hinaus zu handeln.

Die Delegation aus Osnabrück präsentierte zwei Kurzvorträge zu den Themen:

  • Das „Lern- und Innovationsinduzierte Gesundheitssystem“: Pilotprojekt Gesundheitscampus Osnabrück
  • Theorie-Praxis-Transfer in der Gesundheitsversorgung – Durch wissenschaftliche Berufsfeldreflexion zum Versorgungsexperten

PDF der Präsentationen

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Dreiländer-Tagung Health Universities/Posterpräsentation

Vor dem Hintergrund der Studie „Health Universities“ Konzept, Relevanz und Best Practice. Mit regionaler Versorgung und interprofessioneller Bildung zu bedarfsgerechten Gesundheitsfachleuten [1]“ fand die 1. Dreiländer-Tagung in der Schweiz statt.

Vom 09.09. – 11.09.2015 diskutierten Tagungsteilnehmer aus der Schweiz, Österreich, Deutschland, Holland, Belgien und weiteren Nationen über die inter- und multiprofessionelle Gesundheitsversorgung. Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen und Umbrüche stellt die Health University im Ergebnis ein gut begründetes Konzept für einen wirkungsvollen Einsatz der Ressourcen für die Bildung und Forschung im Gesundheitsbereich dar.

In diesem Zusammenhang wurde ein Poster zum Thema: „Wertschöpfungsnetze im Gesundheitswesen – Prozessanalyse und Modellprozessentwicklung am Beispiel der Arzneimittelversorgung von Patienten in stationären Langzeitpflegeeinrichtungen“ aus dem ProMmt-Projekt vorgestellt (Posterabstract 1175). Anknüpfend an die Health University greifen Fazit und Ausblick die Relevanz der Vernetzung der Gesundheitsfachberufe als Voraussetzung erfolgreicher, patientenorientierter Arbeit auf und deuten auf die notwendigen Kompetenzentwicklungen, in multiprofessionellen Aus-, Fort- und Weiterbildungsformaten hin.

[1] ZHAW Reihe Gesundheit, No. 1 (Sottas, Brügger & Meyer, 2013)

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Pilotprojekt zur Prozessoptimierung im Medikationsmanagement (ProMmt)

Im Unterschied zu den meisten bislang vorgestellten Modellprojekten zum Medikationsmanagement, die sich auf Patienten beziehen, die selbst die öffentliche Apotheke aufsuchen (können), konzentriert sich das Pilotprojekt auf ältere Patienten in Alten- und Pflegeeinrichtungen, die aufgrund eines Versorgungsvertrags gem. § 12a Apothekengesetz durch eine öffentliche Apotheke mit Arzneimitteln versorgt werden. Einerseits kann so an bestehende Strukturen des dokumentierten und organisierten Versorgungsnetzes zwischen Ärzten, Patienten, Heimträgern und Apotheken angeknüpft werden. Andererseits sollen die auftretenden Medikations- und Abstimmungsprobleme im Rahmen der Arzneimitteltherapie analysiert und strukturierte Lösungsmöglichkeiten entwickeln werden.
Auf die Einbeziehung der Pflege und der Patienten selbst wird besonderer Wert glegt, weil beide Gruppen großen Einfluss auf das Ergebnis der Medikation haben. Die Pflege hat die entsprechende Basis in ihrer Nähe zum Patienten und der damit vorhandenen Möglichkeit gesundheitliche Reaktionen bzw. Veränderungen direkt an den Arzt zu übermitteln. Die Patienten bzw. die betreuende Pflegefachkraft nehmen Einfluss über die Adhärenz. Non-Adhärenz ist eine Herausforderung für alle Leistungserbringer, führt oft zu einer Verschlechterung der Gesundheit (bis hin zu einer höheren Mortalität) und bedeutet auch deutliche Mehrausgaben im Gesundheitswesen.

Ergebnisqualität
Dienstleistungsnetze im Gesundheitswesen unterliegen besonderen Bedingungen. Die aktive Suche nach geeigneten Kooperationspartnern mit dem Ziel der Leistungssteigerung oder der Gewinnoptimierung steht nur bedingt im Vordergrund. Im Gegenteil basiert die Zusammenarbeit oftmals auf der Selektion durch den Patienten (freie Arzt- und Apothekerwahl) und weist deshalb eher eine passive Komponente auf.
So auch im vorliegenden Fall des Medikationsmanagements für Patienten in der stationären Langzeitpflege. Das Dienstleistungsnetz ergibt sich aus den jeweiligen heimversorgenden Hausärzten/ Fachärzten der Bewohner, einer oder mehrerer heimversorgenden Apotheken und den Pflegefachkräften der Einrichtung. Alle Leistungserbringer wurden in der klassischen Variante von den Patienten ausgewählt. Nicht unbedingt eine optimale Grundlage für eine ergebnisorientierte Prozessgestaltung, da die Zusammenarbeit grundsätzlich auf der freiwilligen Abstimmung der Prozessstrukturen der Einzelorganisationen basiert. Mögliche vertragliche Varianten (z.B. § 12 a ApoG Heimversorgungsvertrag und § 119 b SGB V kooperierender Hausarzt, Heimarzt) unterstützen, werden aber noch nicht flächendeckend und auch nicht auf alle Leistungserbringer bezogen eingesetzt. Mögliche und bestehende Vertragsbeziehungen sind in Abbildung 1 dargestellt. Die roten Verbindungen weisen auf Verträge hin, die entweder noch sehr selten nachgefragt werden (§ 119 b Abs. 2 SGB V) oder noch nicht entwickelt wurden (Arzt – Apotheker).

Vertragsbeziehungen 2

Abbildung 1: Vertragsbeziehungen [1]
Mit der Prozessanalyse und -restrukturierung werden zwei Ziele verfolgt. Zum einen, die Verbesserung der medizinischen Lebensqualität älterer, multimorbider Patienten durch einen praxisorientierten Ansatz zur angewandten Arzneimitteltherapie in Alten- und Pflegeinrichtungen. Zum anderen, die Steigerung der Arbeitszufriedenheit der involvierten Leistungserbringer über die Reduzierung von Schwachstellen.
Das Pilotprojekt setzt hier an. Langfristig soll der Aufbau von multiprofessionellen Versorgungsnetzen aktiv von Seiten der Leistungserbringer gedacht werden. Auch unter Beachtung der Wahlmöglichkeiten der Patienten führt dies zu einer deutlichen Steigerung der Ergebnisqualität.

Methode
Es handelt sich um ein klassisches Optimierungsprojekt in Form eines iterativen Phasenmodells.
Im Rahmen einer Ist-Analyse wird der Prozess, heruntergebrochen auf die einzelnen Tätigkeiten, in seinem gegenwärtigen Ablauf in allen beteiligten Institutionen durch Betriebsbegehungen und Interviews erhoben. Die Dokumentation in Form einer Ablaufdarstellung dient der Fakten- und Schwachstellenanalyse. Ein strukturiertes Change Management unter Einbeziehung aller Akteure zielt auf eine definierte Erprobungsphase und schließt vorerst mit einer erneuten Ist-Analyse.
Das Pilotprojekt bietet somit einen guten Ansatz, um bestehende multiprofessionelle Versorgungsnetzwerke zu analysieren und zu optimieren und kann langfristig als Modell für neu zu initiierende Netzwerke herangezogen werden.
Die Akteure stärken im Rahmen des Projektes ihre Prozess- und Kommunikations-kompetenzen, so dass mögliche weitere Spezifikationen nach Projektende auch ohne externen Berater in den interdisziplinären Prozess eingebracht werden. Laufzeit: 2015.

Projektförderer

  1. Der gemeinnützige Verein für Management und Vertragsgestaltung in der Gesundheitswirtschaft e.V. steht allen offen, die an Mangement und Vertragsgestaltung im Gesundheitswesen beteiligt oder interessiert sind und die angewandte Forschung und Lehre auf den Gebieten Management, Recht und Politik des Gesundheitswesens fördern möchten. Zweck des Vereins ist die Förderung der Wissenschaft, Forschung  und Bildung auf den Gebieten der Ökonomie, des Rechts und der Politik des öffentlichen Gesundheitswesens. Der Satzungszweck wird unter anderem verwirklicht durch
  • die Förderung des weiterbildenden Masterstudiengangs Management und Vertragsgestaltung in der Gesundheitswirtschaft der Fachhochschule Frankfurt am Main
  • die Durchführung wissenschaftlicher Veranstaltungen und Forschungsvorhaben
  • die Vergabe von Forschungsaufträgen
  • die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse

2. Die Migasa GmbH & Co.KG, eine Kooperation unabhängiger, inhabergeführter Apotheken an über 140 Standorten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Hessen und Rheinland-Pfalz, sieht sich als Vorreiter bei der Entwicklung und Umsetzung innovativer Gesundheitsangebote. Individuelle, an der Kundschaft ausgerichtete Leistungsschwerpunkte stehen im Mittelpunkt ihrer Mission. Deshalb hat sich die Migasa unter anderem der Förderung von Gesundheitsprojekten angenommen.
Migasa GmbH & Co.KG, Tecklenburger Str. 12, 49525 Lengerich

Projektteilnehmer

St. Elisabeth Pflege GmbH, Bassumer Str. 36, 49088 Osnabrück
Neumarkt Apotheke, Öwer de Hase 1, 49074 Osnabrück
Ärztehaus Meller Straße, Meller Straße 100, 49082 Osnabrück
Migasa Blisterzentrum Nordhorn, Walther Bothe Str. 8, 48529 Nordhorn

Projektleitung:
Stefanie Kortekamp M.A.
Frankfurt University of Applied Sciences, Zentrum für Gesundheitswirtschaft und –recht (ZGWR)

Literatur:

[1] Kortekamp Stefanie (2014): Medikationsmanagement als interdisziplinärer Prozess, in: Frankfurter Schriften zu Management und Vertragsgestaltung in der Gesundheitswirtschaft, Band 1, Meyer Hilko J., Kortekamp Stefanie (Hrsg.): Medikationsmanagement in stationären Pflegeeinrichtungen: Teamarbeit der Solisten, Cuvillier Verlag, S. 81

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Pilotprojekt zur Arzneimitteltherapie in Alten- und Pflegeeinrichtungen

Gegenstand eines aktuellen Pilotprojektes ist die Analyse und Optimierung der Versorgungsprozesse innerhalb des interdisziplinären Wertschöpfungsnetzes zwischen heimversorgendem Arzt, Apotheker und Pflegefachkraft.

Im Unterschied zu den meisten bislang vorgestellten Modellprojekten zum Medikationsmanagement, die sich auf Patienten beziehen, die selbst die öffentliche Apotheke aufsuchen (können), konzentriert sich das Pilotprojekt auf ältere Patienten in Alten- und Pflegeeinrichtungen, die aufgrund eines Versorgungsvertrags gem. § 12a Apothekengesetz durch eine öffentliche Apotheke mit Arzneimitteln versorgt werden. Einerseits kann so an bestehende Strukturen des dokumentierten und organisierten Versorgungsnetzes zwischen Ärzten, Patienten, Heimträgern und Apotheken angeknüpft werden. Andererseits sollen die auftretenden Medikations- und Abstimmungsprobleme im Rahmen der Arzneimitteltherapie analysiert und strukturierte Lösungsmöglichkeiten entwickeln werden.

In: VR-Medicus, Ausgabe Nr. 8, Juli 2015, S. 13-15.

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